Wilhelm Neurohr

Auszüge aus einem Vortrag von Wilhelm Neurohr (AVENIR) am Dienstag, 13. April 2004 vor den Vertretern der 6 größten Gewerkschaften von Togo im Kongresszentrum der Hauptstadt Lomé im Beisein der nationalen Presse und des ersten Fernsehsenders von Lomé:

„Die Zukunftsperspektiven Afrikas in Zeiten der Globalisierung“

Der erste Teil des Vortrages handelte von den internationalen Rahmenbedingungen und folgenschweren Fehlentwicklungen der neoliberalen Globalisierung für die Menschen auf der Verliererseite insbesondere in den armen, aber auch in den reichen Ländern sowie von der veränderten Rolle der Gewerkschaften in Vernetzung mit der Zivilgesellschaft. Der letzte Teil widmete sich den Perspektiven Afrikas bei Besinnung auf die eigenen Qualitäten und Begabungen trotz internationaler Abhängigkeiten.

„(..)“ Für die wirtschaftliche Entwicklungshilfe zugunsten der ärmeren Länder in der Welt z.B. in Afrika wird von Deutschland und Europa zur Zeit weniger als 0,25 Prozent vom Bruttosozialprodukt oder Staatshaushalt ausgegeben.

Afrikas Anteil am Welthandel hat sich in den letzten 50 Jahren kontinuierlich verringert von 7,4% auf 2,0%. Ohne Nordafrika und Südafrika wären das sogar nur 0,8 %. Hier haben die Menschen auch das niedrigste Einkommen und die geringste Lebensqualität.

Die Wirtschaftskraft (Bruttosozialprodukt) beträgt in Afrika nur 340 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung; in Amerika dagegen über 28.000 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung.

Eine Gruppe deutscher Afrika-Wissenschaftler hat deshalb im Oktober des Jahres 2002 eine Neubegründung der Afrika-Politik gefordert. Afrika darf nicht länger von den Weltmärkten abgekoppelt werden, wen es aus eigener Kraft eine nachhaltige Zukunft entwickeln soll.

Auch die Vereinten Nationen (UNO) sehen eine wichtige Rolle für Afrika in der Welt vor. Die UNO sieht in der Globalisierung eine „große Chance und Herausforderung für Afrika“.

Erhofft werden Impulse für die Wirtschaft und soziale Verbesserungen in Afrika.

Schuldenerlass zur Tilgung historischer Schuld: Teilen mach alle reich

Jedoch ein dafür dringend notwendiger Erlass der Schulden für die 187 armen Länder auf der Erde ist nicht in Sicht. Die Schulden der armen Länder sind in den letzten 10 Jahren um 34% auf 2,5 Bio. Dollar angestiegen. Eigentlich sollten sie um die Hälfte gesenkt werden, denn nur Teilen macht alle reich. Die hohen Schulden sind die historische Schuld, die der Norden oder Westen gegenüber Afrika hat.

Von den 53 afrikanischen Ländern gelten 40 als nicht mehr kreditwürdig nach den Kriterien des internationalen Währungsfonds (IWF). Dafür mitverantwortlich ist der Generaldirektor des Weltwährungsfonds (IWF). Ausgerechnet diese Person (Horst Köhler) ist jetzt in Deutschland für das Amt des deutschen Bundespräsidenten vorgeschlagen worden. Er ist Multimillionär und nicht Repräsentant des einfachen Volkes. Vor kurzem forderte er mit seinem IWF die Privatisierung aller öffentlichen Banken und Sparkassen.

In Afrika will der Präsident der afrikanischen Entwicklungsbank, der Marokkaner Omar Kabbaj die Politik des internationalen Währungsfonds afrikanisieren. Das heißt, die afrikanischen Länder sollen nur noch dann Kredite erhalten, wenn sie die Kriterien des internationalen Währungsfonds akzeptieren. Diese sind aber zu ihrem Nachteil und nicht zum Vorteil.

Mit dieser Politik soll Druck auf die afrikanischen Staaten ausgeübt werden. Sie sollen sich selber gegenseitig kontrollieren. Südafrika möchte eine Führungsrolle einnehmen bei dieser wirtschaftsfreundlichen Globalisierungspolitik. Im Ergebnis ist Afrika von den großen Geschäften ausgeschlossen. Mit ein paar Internet-Cafes in Dakár (Senegal) oder Lomé (Togo) ist noch nicht der Anschluss an die Globalisierung erreicht. Während in Europa 41% der Bevölkerung ans Internet angeschlossen sind, so sind das in Afrika nur 0,5%.

Die Eigenheiten afrikanischer Kulturen werden bei dieser Technologie gar nicht berücksichtigt, die ohnehin für die Menschen nicht bezahlbar ist.

Der Wissenschaftler Douato Sadjede von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hier in Lomé fragte in einem Aufsatz zu recht: „Wieviel kann ein verschuldetes Afrika zahlen, das mit den Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu kämpfen hat, defizitäre Betriebe zu schließen und Löhne und Sozialausgaben zu senken? Afrika ist also von den großen Geschäften der Globalisierung ausgeschlossen.

In dem berühmten Lomé-Abkommen, das vor einem Vierteljahrhundert abgeschlossen worden war, ging es ja um gerechten Handel zwischen der europäischen Gemeinschaft und den Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks.

Im Sommer des Jahres 2002 haben diese 77 früheren Kolonien das Cotonou-Abkommen abgeschlossen, welches das Lomé-Abkommen ablöst. Dieses neue Abkommen der europäischen Union soll Afrika auf die Ziele der Welthandelsorganisation verpflichten, die Märkte und Handelsbeziehungen zu liberalisieren für die Globalisierung. Das wird Afrika in den Ruin führen und in eine neue Form der Kolonialisierung.

Die Gewerkschaften in Afrika sollten überlegen, was sie dagegen unternehmen.

Inzwischen haben ja Diskussionen über eine Revision dieser Vereinbarung stattgefunden.

Längst hat Afrika durch den Preisverfall für seine Rohstoffe verloren. Die Öffnung und Liberalisierung der Märkte in Afrika hat keine Vorteile für Afrika in der Weltwirtschaft gebracht. Auch fehlt es an der nötigen Infrastruktur.

Zwar haben einige Länder eine positive Statistik des Wirtschaftswachstums, wie z.B. Ghana, Uganda oder Mosambik. Doch die Zahlen auf dem Papier haben nicht die tatsächliche Situation der Menschen in den Dörfern und Städten verbessert.

Äquatorial-Guinea hat sogar 13% Wirtschaftswachstum durch seine Erdölreserven; aber die Bevölkerung ist so arm wie vorher. Die Profiteure sind die internationalen Konzerne, deren Profite in die Industrieländer gebracht werden. Im Kongo hat der große Reichtum zu Kriegen, Not und Armut geführt.

Die Gegenbewegung der Globalisierungsverlierer

Die Verlierer des freien Welthandels finden sich aber nicht nur in Afrika, sondern in allen Ländern der Welt. Es sind die abhängigen Menschen, die Arbeiter, die kleinen Betriebe und Bauern. Es sind sogar bisher reiche Länder Europas auf dem Weg der Verlierer, wie ich eingangs geschildert habe.

Was können nun die Gewerkschaften international tun, um eine soziale Globalisierung mit menschlichem Antlitz zu erreichen, so lautet die 4. Frage meines Vortrages.

An dem Tag, an dem ich mit meiner Frau und unserer Reisegruppe über Paris hier nach Lomè geflogen bin, am 3. April, waren überall in Europa große Demonstrationen der Gewerkschaften und anderer Organisationen. In den großen Städten aller Länder in Europa und in Deutschland waren Hunderttausende Menschen auf den Straßen, Millionen insgesamt.

Sie demonstrierten für soziale Gerechtigkeit und gegen diese Art von Globalisierung. Es war eine Demonstration der Globalisierungsverlierer gegen die Globalisierungsgewinner. Und es war erst der Anfang einer weltweiten Bewegung für eine bessere Welt.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan aus Ghana in Afrika, äußerte sich zu diesen Entwicklungen der Globalisierung folgendermaßen – ich zitiere: „Die wirklichen Grenzen unserer Zeit verlaufen nicht mehr zwischen Staaten oder Kontinenten, sondern zwischen den Mächtigen und Machtlosen, den Freien und Geknechteten, den Privilegierten und den Gedemütigten“.

Deshalb hat die von mir geschilderte Entwicklung in Deutschland und Europa schwerwiegende Folgen nicht nur für die dort lebenden Menschen, sondern auch für die Menschen hier in Afrika. Denn wenn es den Menschen in Deutschland und Europa schlechter geht, dann geht es auch den Menschen in Afrika nicht besser. Aber auch umgekehrt! Denn die Reichen empfangen ihren Segen durch die Armen!

Die internationalen Finanzhilfen für die Länder Afrikas sind hingegen um 25% bis zu 50% zurückgegangen. 40% aller Familien in den Städten Afrikas leben in Armut. Der Wohlstand der reichen Länder war mit dem Hunger der armen Länder erkauft worden.

Weltweit sind 815 Mio. Menschen unterernährt. Jeden Tag sterben 100.00 Menschen auf der Welt an Hunger und seinen Folgen, das sind 36 Mio. Menschen jedes Jahr. Alle 7 Sekunden stirbt ein Kind auf der Welt an Hunger oder an Krankheitsfolgen.

Allein in Afrika sterben über 4 Mio. Kinder jährlich, jeden Tag 10.000 noch vor ihrem 5. Geburtstag, vor allem an Hunger, aber auch an Krankheit und als Opfer von Krieg und Gewalt.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt wegen des Nahrungsmangels in Afrika um 20 Jahre niedriger als anderswo. Jeden Tag sterben in Afrika 6.600 Menschen an der AIDS-Krankheit.

300 Mio. Menschen auf der Erde erkranken an den schlechten hygienischen Verhältnissen.

Fast 2 Mrd. Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jährlich sterben über 2 Mio. Menschen an den Folgen verschmutzten Wassers. 100 Millionen Menschen leben in Slums und Elendsvierteln. Eine Milliarde Menschen müssen mit nur 1 Dollar pro Tag auskommen.

113 Mio. Kinder bekommen gar keine Schulausbildung. Von den 4,3 Mio. Menschen in Togo sind 48% Analphabeten.

Der freie Welthandel in Form der neoliberalen Globalisierung wirkt wie ein Wirtschaftskrieg: Jeder gegen jeden, mit vielen Todesopfern auf der südlichen Hälfte der Erde. 850 Mrd. Dollar werden weltweit für Krieg und Rüstung ausgegeben. Die Finanzhilfen für die armen Entwicklungsländer sind dagegen auf 53 Mrd. Dollar zurückgegangen.

Darum müssen die Menschen und ihre Gewerkschaften über alle Grenzen hinweg gemeinsam für Solidarität und soziale Gerechtigkeit eintreten, überall in der Welt. Die Globalisierung sprengt alle Grenzen.

Wir müssen gemeinsam eine Welt in Solidarität und Frieden erbauen. Nur dann kann sich der Pessimismus bezüglich der Globalisierung in Optimismus für die Zukunft verwandeln. Denn die Menschenrechte und die Menschenwürde sind für alle Menschen auf der Erde gleich.

Was ich gerade geschildert habe, war die negative Kehrseite der Globalisierung, die ja eigentlich zum positiven Nutzen der gesamten Menschheit sein sollte. Neulich sagte jemand: „Der Begriff der Globalisierung ist nur erfunden worden, um den Menschen das Denken auszutreiben.“

Viele Menschen sind gleichgültig und inaktiv. Sie fühlen sich ohnmächtig gegenüber der Globalisierung. Sie ergeben sich in ihr Schicksal und in ihre Armut. Sie haben verlernt zu kämpfen und aufgegeben, zu handeln.

Doch Ihr erinnert Euch sicher an den 15. Februar 2003: An einem einzigen Tag waren zur gleichen Zeit 18 Mio. Menschen in 660 Städten der Erde zu einer weltweiten Protestbewegung gegen den Irak-Krieg der Amerikaner demonstrierend auf die Straße gegangen.

Die Gewerkschaften müssen es international schaffen, zusammen mit anderen Organisationen eine soziale Bewegung in gleicher Größenordung auf die Beine zu stellen, die sich solidarisch für eine soziale Zukunft aller Menschen auf dieser Erde einsetzt!

Es gibt inzwischen bereits eine große, internationale, weltweite soziale Bewegung der Globalisierungskritiker, bei der die europäischen Gewerkschaften mitwirken – aber auch viele Gruppen der Zivilgesellschaft, die Nichtregierungsorganisationen.

Sie veranstalten alljährlich gemeinsam ein großes Weltsozialforum, zweimal bereits in Brasilien, in der Stadt Porto Allegre mit 100.000 Teilnehmern, im letzten Jahr in Indien, in der Stadt Mumbai.

In Europa findet zum gleichen Thema der Globalisierung alljährlich ein Europäisches Sozialforum statt, zuerst in der Stadt Florenz in Italien, letztes Jahr in Frankreich, in der Hauptstadt Paris, wieder mit 100.000 Teilnehmern.

Und in Deutschland finden regionale Sozialforen statt, die sich kritisch mit den negativen Entwicklungen der Globalisierung auseinandersetzen. Zugleich diskutieren sie positive Alternativen für eine menschenwürdige Zukunft.

Eine andere Welt ist möglich: Alternativen für eine Globalisierung von unten

In der deutschen Hauptstadt Berlin findet im Mai dieses Jahres ein großer Kongress statt, der sich mit den sozialen Perspektiven im Zeitalter der Globalisierung auseinandersetzt. Dort werde ich auf einem Podium teilnehmen zur Frage der Privatisierung und Kommerzialisierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen, zusammen mit führenden Gewerkschaftsvertretern und EU-Politikern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Denn von der Globalisierung sind alle Menschen betroffen, in Europa ebenso wie in Afrika, in Asien, in Amerika oder Australien.

Afrika war ja immer schon durch die weltweiten Wirtschaftsbeziehungen in die Zusammenhänge der Globalisierung eingebunden, in die früheren Handelsbeziehungen. Eigentlich begann die Globalisierung in Afrika, bevor es dieses Wort als neuen Begriff gab.

Wir alle sind Menschen dieser einen Welt, die als Lebensgemeinschaft voneinander abhängig sind. Wir alle sind aufeinander angewiesen. Die Menschheit hat ein gemeinsames Schicksal.

Solange noch irgendwo auf der Welt ein Mensch Armut und Hunger erleidet, solange können wir in Europa nicht glücklich sein.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte auf ein menschenwürdiges Leben und auf eine bessere Zukunft. Die Ressourcen dieser Erde gehören allen Menschen und sind deshalb miteinander gerecht zu teilen.

Gerade Afrika hat ja mehr Ressourcen an die Industriestaaten abgegeben statt selber zu behalten. Sonst wäre Afrika sehr reich. Was gemeinsam erarbeitet worden ist, darf nicht nur einigen wenigen gehören.

Die internationale Gewerkschaftsbewegung kämpft seit über 100 Jahren für diese Menschenrechte. Sie kämpft für menschenwürdige Arbeitsverhältnisse ohne Sklaventum. Sie kämpft für ein menschenwürdiges Leben und für ein hinreichendes Einkommen, von dem die Familien ernährt werden können.

Leider sieht die Wirklichkeit inzwischen anders aus, wie ich in meinem Vortrag heute verdeutlicht habe. Afrika braucht aber eine Vision und Hoffnung für die Zukunft in Zeiten der Globalisierung.

Deshalb komme ich zu der letzten und wichtigsten Fragestellung meines Vortrages: Worin bestehen die Chancen und Perspektiven Afrikas? Wie können die Gewerkschaften für praktische Zukunftsprojekte eintreten?

Erlaubt mir zunächst einige Feststellungen und Beobachtungen:

Afrika ist in mancher Hinsicht viel reicher als Europa oder Amerika. Es ist in der Lage zu einem Neuanfang statt zu einem Niedergang. Worin besteht der Reichtum Afrikas aus der Sicht eines europäischen Gewerkschafters?

Der Reichtum und die Fähigkeiten Afrikas: seine spirituellen Menschen und der Kinderreichtum, seine Kultur und Landwirtschaft

Der Reichtum Afrikas sind vor allem seine Menschen! Zu diesem Reichtum gehören auch die Kinder und die Familienstrukturen, die Dorfgemeinschaften. Aber auch die bunten Märkte in den Städten.

Eine neue Vision für Afrika entsteht dadurch, dass die Menschen in Afrika ihre Seele wiederentdecken. Die Spiritualität der afrikanischen Menschen ist eine Grundlage für ein gerechtes, friedvolles und ökologisch zukunftsfähiges Gemeinschaftsleben.

Der Reichtum Afrikas sind aber seine Kultur und seine Natur, seine Sonne - und seine Anziehungskraft für reisende Touristen. Aber auch seine Rohstoffe und Bodenschätze.

Zum Reichtum Afrikas gehören das vielfältige Kleingewerbe in den Städten und die landwirtschaftlichen Flächen in den Dörfern. Die Kleinindustrien und die Bauern Afrikas sind nicht zu vernachlässigen. Afrika braucht Nahrungssicherheit und eine lebensfähige Industrie.

Die Fähigkeiten der Afrikaner sind es, zu improvisieren und sich selber zu organisieren und eigene Strukturen zu schaffen. Dem Zusammenbruch der Kaufkraft der Togolesen ist entgegenzuwirken.

Die Menschen in Afrika sollten sich wehren gegen die Zerstörung ländlicher Kulturen und Praktiken. Sie sollten eigene Vorstellungen und lebensfähige Alternativen realisieren.

Die afrikanische Gesellschaft ist in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens moderner als die europäische Gesellschaft!

Die Selbstentdeckung und Wiedergewinnung der Selbstachtung der Afrikaner und Afrikanerinnen ist eine wichtige Voraussetzung für einen Aufbruch in die Zukunft.

Die Afrikaner sollten die Menschenrechte und Menschenwürde pflegen, statt von den Europäern nachzumachen, was diese mit Unterdrückung und Habgier durch Erniedrigung vorgemacht haben.

Afrika kein Kontinent der Finsternis, sondern des Lichtes und der sozialen Wärme mit Zukunftschancen durch dezentrale, regionale und lokale Strukturen

Afrika ist kein verlorener Kontinent im Herzen der Finsternis, sondern ein Kontinent des Lichtes und der Wärme. Diese Wärme lässt die soziale Kälte in Europa und Amerika schmelzen!

Insbesondere dann, wenn sich die jungen Menschen am sozialen und wirtschaftlichen Aufbau ihres Landes beteiligen! Die Jugendlichen dürfen das Land nicht verlassen, sondern müssen seine Zukunft gestalten nach ihren eigenen Vorstellungen. Die Kinder sind unsere Zukunft!

Aber auch die starken Frauen Afrikas spielen eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der Gemeinschaften.

Es ist wichtig, afrikanische Wirtschaftsflüchtlinge nach Europa einzudämmen und zurückzuholen, denn sie schwächen Afrika und werden hier gebraucht. Das Glück der Afrikaner liegt nicht in der Auswanderung nach Deutschland, Europa oder Amerika, sondern in ihrem eigenen Land.

Die Chancen Afrikas liegen in der Stärkung der lokalen und regionalen Strukturen und Kulturen – gegen die nivellierende Gleichmacherei durch die Globalisierung. Die Regionalisierung ist die kollektive Stärke Afrikas!

Regionale Konzepte sind wichtiger als die Verstädterung, als der problembeladne Ausbau großer Städte in Afrika. Die Städte sollten von Müll und Abfall befreit werden. Für die Dörfer müssen eigene Existenzgrundlagen geschaffen werden.

Die Attraktivität und Vorteile Afrikas liegen in den lokalen und nationalen Eigenheiten.

Das sind die afrikanischen Trümpfe im Globalisierungswettbewerb!

Die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen sind wichtiger als große Megaprojekte der Entwicklungshilfe von außen.

Afrika und insbesondere Togo sollte seine politischen Konzepte nicht im Ausland entwerfen lassen, sondern durch die eigenen Menschen in der Zivilgesellschaft selber. Afrika braucht eigene Anstrengungen, statt im Ausland denken zu lassen.

Die Bildung ist die wichtigste Zukunftsressource - und Zusammenarbeit auf dem Kontinent ist unverzichtbar

Das wichtigste ist es, in Afrika die Bildung zu verbessern!

Die Menschen in Afrika sollten aber die Bildung selber aufbauen, und nicht die Bildung teuer importieren. Bildung ist nicht nur für die Reichen, sondern muss kostenlos sein!

Es sollten in Afrika Netzwerke innerhalb der einzelnen Länder und zwischen ihnen gebildet werden. Es sollte die Kooperation mit anderen Staaten bei der Infrastruktur und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit verstärkt werden.

Ein Friedensprozess, ein Versöhnungsprozess und ein Demokratisierungsprozess ist auf dem afrikanischen Kontinent anzustreben.

Insbesondere die positiven Versuche der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit der westafrikanischen Staaten können noch weiter verbessert werden.

Dann liegt die Zukunft Afrikas in Frieden und Gerechtigkeit sowie wirtschaftlichem Fortschritt.

Es muss daran gearbeitet werden, die institutionalisierte Korruption und Bestechung aus dem Alltagsleben zu verbannen, weil es Ethik und Moral untergräbt.

Es sollten überdies die Relikte postkolonialer Strukturen beseitigt werden. Dann kann dies auch die Rückerstattung dessen bewirken, was Afrika jahrelang von den Europäern entrissen worden ist.

Der Druck der Basis und der Nichtregierungsorganisationen ist dazu mit Unterstützung der Gewerkschaften nötig und möglich.

Die Frage der Landwirtschaft, der Rohstoffe, der Produktion und des Handels - Afrika wird nicht untergehen!

Die Wirtschaft Afrikas muss sich auf die Bedürfnisse der Menschen ausrichten – und nicht auf die Interessen der Exporteure des afrikanischen Reichtums. Die lokale und regionale Wirtschaft muss gestärkt werden.

Die Abhängigkeit Afrikas von nur wenigen Agrarprodukten muss verringert werden, indem die Produktpalette in der Landwirtschaft erweitert wird.

Afrika sollte nicht länger unverarbeitete Rohstoffe verkaufen, um dann die im Ausland verarbeiten Produkte teuer rückzukaufen – sondern selber weiterverarbeiten!

Die Zukunft Afrikas liegt also nicht in der Ausfuhr von Rohstoffen, sondern in der Verarbeitung dieser Rohstoffe - und in ihrem Absatz auf den regionalen Märkten im eigenen Land oder Nachbarland. Dadurch erhält Afrika positiven Anschluss an die Globalisierung.

Afrika produziert bislang hauptsächlich solche Waren, die es nicht konsumiert, und konsumiert hauptsächlich solche Waren, die es nicht produziert. Dies führt zur verhängnisvollen Abhängigkeit vom Ausland und zur Verarmung der Bevölkerung, die hohe Weltmarktpreise zahlen müssen.

Es dürfen nicht andere Länder die politische und wirtschaftliche Kontrolle über Afrika ausüben. Afrika muss sich aus neokolonialer und ökonomischer Abhängigkeit befreien!

Die Gewerkschaften müssen für die bedingungslose Streichung der Schulden für die afrikanischen Länder eintreten, wie gesagt, damit die armen Länder und ihre Menschen nicht noch ärmer werden.

Wir müssen als Gewerkschafter gemeinsam und international die neoliberale Ideologie ablehnen, und zwar mit aller Macht und mit vereinten Kräften! Der globale Kampf um eine nachhaltige Menschheitszukunft wird durch lokale und regionale Kreativität entschieden.

Ich schließe meinen Vortrag mit einer Prognose:

Afrika wird nicht untergehen im Globalisierungswettkampf, wenn sich Afrika in gewisser Weise aus der Zwangsjacke der Globalisierung befreit!

Für Millionen Afrikaner ist der Ausstieg aus dem globalen Marktgeschehen längst Alltagsrealität. Sie überleben viel besser in ihren lokalen und regionalen Märkten und Strukturen.

Aber Afrika sollte sich dabei nicht ganz zurückziehen von der globalisierten Welt, sondern der Welt Neues geben! Dann wird Afrika von der ganzen Welt geliebt und gefördert.


Vortrag am Dienstag (Ostern), 13. April 2004, 15 Uhr bis 17.30 Uhr vor afrikanischen Gewerkschaftsvertretern in Lomé/Togo (Westafrika)

„Die Rolle der Gewerkschaften in Zeiten der Globalisierung“

Guten Tag, liebe Kollegen und Freunde!

Ich bedanke mich herzlich für die Einladung und die freundliche Begrüßung.

Ich freue mich, dass Sie so zahlreich gekommen sind und sich für das Thema interessieren.

Und ich danke meinem Freund Dodji Kpaleté für die gute Organisation.

Es ist mir eine große Ehre, zu Ihnen sprechen zu dürfen. Als Gewerkschaftler darf ich Sie mit „Du“ anreden?

Leider spreche ich kein französisch. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Ich versuche trotzdem, diesen Vortrag in französisch zu halten.

Meine Frau hat mir geholfen, den Vortrag von der deutschen in die französische Sprache zu übersetzen. Ich hoffe, sie können meine Aussprache verstehen.

In der anschließenden Diskussion wird meine Frau übersetzen / dolmetschen.

Ich überbringe Ihnen die solidarischen Grüße von unserer Gewerkschaft aus Deutschland.

Ich möchte mich und meine Gewerkschaft kurz vorstellen:

Ich bin Vertreter und Funktionär der Gewerkschaft ver.di aus Deutschland.

Sie gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund an und hat fast 3 Mio. Mitglieder.

Somit ist sie die größte Gewerkschaft auf der Welt für den Sektor der Dienstleistungen und des Handels.

In Deutschland arbeiten die meisten Arbeitnehmer im Bereich der Dienstleistungen. Die Zahl der Arbeitnehmer in der Industrie und Produktion oder Landwirtschaft geht zurück.

Die Gewerkschaft ver.di ist entstanden aus einem Zusammenschluss (Fusion) von 5 einzelnen Gewerkschaften:

  1. aus der Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst, also für alle staatlichen und kommunalen Einrichtungen, Verwaltungen und Betriebe (inklusive öffentliche Krankenhäuser, Einrichtungen der Kirchen, Verkehrsbetriebe und Speditionsunternehmen),
  2. aus der Gewerkschaft für die Post und Telekommunikation (diese sind keine Staatsunternehmen mehr, sondern kommerzialisiert),
  3. aus der Gewerkschaft für Handel, Banken und Versicherungen (also für die kommerziellen Dienstleistungs-Einrichtungen)
  4. aus der Gewerkschaft für die Journalisten, Medienschaffenden und Künstler,
  5. aus der Gewerkschaft für die Angestellten in den Büros und Unternehmen..

Die Gewerkschaft der Lehrer und die Gewerkschaft der Eisenbahn sind separat geblieben.

Ich bin selber schon fast 40 Jahre lang aktives Gewerkschaftsmitglied auf vielen Ebenen, in vielen Gremien, in vielen Funktionen und Vorständen. Angefangen habe ich in der Gewerkschaft für die Bergarbeiter.

Seit 10 Jahren bin ich auch Vorsitzender der Arbeitnehmervertretung in einer großen Regionalverwaltung mit 1.500 Beschäftigten. Sie verwaltet die größte Region im größten Bundesland von Deutschland (Kreis Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen).

Dort bin ich beruflich als Dipl.-Ing. für Stadt- und Regionalplanung sowie Landschaftsökologie tätig.

Außerdem bin ich dort Beauftragter für die lokale Agenda 21 – das ist ein globales Projekt der Vereinten Nationen (UNO) für alle 170 beteiligten Länder auf der Erde mit ihren Regionen, Städten und Dörfern auf der Erde.

Dabei geht es um eine nachhaltige soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung, auch für die Zukunft der nächsten Generation auf der Erde.

Auch unsere Kinder und Enkel sollen überall auf der Welt ein menschenwürdiges Leben führen können. Es geht auch darum, global zu denken und lokal zu handeln.

Damit bin ich beim heutigen Vortragsthema:

Die Rolle der Gewerkschaften in Zeiten der Globalisierung.

Ich habe lange überlegt, was ich Euch dazu mitteilen kann.

Denn eigentlich bin ich als Europäer deshalb nach Togo gekommen, um Euer Land und die freundlichen Menschen kennen zu lernen - also um von Euch etwas zu lernen!

Wir haben zwar in meiner Familie oft Menschen aus Afrika zu Besuch in Deutschland:

aus Togo, aus Guinea, aus Senegal, aus dem Kongo, aus Kenia und aus Kamerun.

Auch Dodji Kpaleté und sein Sohn Kokou sind oft unsere Gäste.

Aber ich bin nun selber zum ersten mal in meinem Leben in Afrika - hier in Togo.

Mir gefällt das Land, es ist sehr schön und ich mag die Menschen in Togo.

Ich habe in diesen Tagen hier viele Eindrücke und Menschenbegegnungen.

Ich frage mich: Wie kann ich mit den Augen der Afrikaner schauen?

Denn die Werte und Interessen der Europäer lassen sich nicht einfach auf Afrika übertragen.

Die afrikanischen Lebensverhältnisse und Wirtschaftsverhältnisse lassen sich nicht in europäischen Statistiken ausdrücken und vergleichen.

Afrika funktioniert nach eigenen Regeln und Gesetzen.

Deshalb wird Afrika nicht untergehen, dank seiner eigenen Überlebensstrategien.

Ich bewundere die Afrikaner, weil sie Überlebenskünstler sind unter schwierigsten Umständen.

Was kann Euch also ein europäischer Gewerkschafter aus dem klimatisierten Hotelzimmer heraus sagen?

Ich möchte in meinem Vortrag 5 Fragen oder Aspekte ansprechen:

  1. Wie wird Afrika von Europa aus betrachtet, beurteilt und behandelt?
  2. Was bedeutet die Globalisierung für Afrika, für Europa und für die übrige Welt?
  3. Was sind die Folgen und Auswirkungen der Globalisierung für die armen und die reichen Länder?
  4. Was können die Gewerkschaften tun, um einen soziale Globalisierung mit menschlichem Antlitz zu erreichen?
  5. Worin bestehen die Chancen für Afrika, sich trotz der Globalisierung erfolgreich für die Zukunft zu entwickeln? Gibt es eine neue Vision und Perspektiven für Afrika? Wie kann eine praktische Zukunftsstrategie für Afrika aussehen im Zeitalter der Globalisierung?

Ich beginne mit der oftmals falschen oder einseitigen Sichtweise der Europäer auf Afrika.

Die Europäer tun ja oft so, als sei ganz Afrika mit seinen 750 Mio. Menschen nur ein Land. Die 53 Länder Afrikas mit ihren vielen Stämmen, Traditionen und Eigenheiten brauchen aber eine differenzierte Betrachtung.

Die eurozentrische Sicht auf Afrika als Kontinent hilft nicht weiter.

Die unterschiedlichen Zonen im Norden, im Süden und im Westen Afrikas sowie in Zentralafrika müssen gesondert betrachtet werden.

Da von den 750 Mio. Menschen auf dem afrikanischen Kontinent etwa 600 Millionen in der Subsahara-Zone leben, verdient diese Problemzone auch die größte Aufmerksamkeit.

Afrika wird in den Fernsehnachrichten in Europa oft falsch gesehen aus sehr reduzierter Sicht: als ein Kontinent der Entwicklungshilfe, als Katastrophenland, als Opfer der kolonialen und postkolonialen Ausbeutung.

Da wird in den europäischen Fernsehnachrichten leider selten Gutes über Afrika berichte: Wir hören von Bürgerkriegen und Aufständen, von Kampf und Flucht, von Dürre und Hungersnöten, von Krankheit und Epidemien wie Aids usw.

Von der Lebensfreude und Fröhlichkeit der Menschen hier in Afrika, von der Kultur und natur Afrikas, wird viel zu wenig berichtet.

Die afrikanische Gesellschaft ist ja in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens moderner als die europäische Gesellschaft.

Manche Europäer meinen fälschlich, in Afrika herrsche Passivität, Handlungsunfähigkeit und Resignation. Es würde nicht genügend Eigeninitiative ergriffen.

Sie sagen das aus der Ferne, ohne die afrikanischen Länder wirklich zu kennen.

Deshalb behandeln sie Afrika so, als könnten sie es belehren und ausnutzen.

Tatsächlich scheint es so, als wollten Frankreich, England und Amerika unter dem Deckmantel der Globalisierung den afrikanischen Kontinent wieder kolonialisieren, also eine Art räuberische Globalisierung durchführen, um an die verbliebenen Rohstoffe Afrikas zu gelangen.

Und um ihnen ihre Waffen zu verkaufen.

Im Jahre 2002 wurden auf dem Gipfel der 8 reichsten Industriestaaten unter der Führung des amerikanischen Präsidenten Bush und des englischen Premierministers Blair verdeckte Pläne für eine erneute Plünderung Afrikas entwickelt.

Unter dem Deckmantel der Globalisierung soll Afrika neu kolonialisiert werden. Es ist eine räuberische Globalisierung, weil sie den grenzenlosen und rücksichtslosen Kapitalismus des freien Marktes anstrebt. Diese Art der Globalisierung zerstört die lokalen und regionalen Strukturen und Praktiken.

Dies müssen die Gewerkschaften gemeinsam verhindern!

Denn die reichen Industriestaaten wollen die politische und ökonomische Kontrolle über die souveränen Staaten Afrikas behalten.

Noch immer kontrollieren ausländische Staaten den Bergbau, die Industrie und die großen Plantagen in den afrikanischen Ländern, aber auch die wichtigsten Handelsverbindungen und Seewege.

Die armen Länder exportieren Rohstoffe in den Westen, während die eigene Bevölkerung hungert.

Dies können die Gewerkschaften nicht zulassen. Es sollte sich nicht das wiederholen, was Afrika in der Vergangenheit bereits erlebt hat.

Noch in der Gegenwart leiden viele afrikanische Länder unter den Resten des Kolonialismus aus der Vergangenheit.

Togo stand ja bereits Mitte des 15. Jahrhunderts im Mittelpunkt verschiedener Macht- und Wirtschaftsintereressen, z.B. der Portugiesen, Holländer und Dänen.

Später waren es die Briten, die Deutschen und die Franzosen. Über die Kolonialbeamten lösten sie die traditionellen Strukturen Eures Landes auf.

Als am Ende des 19. Jahrhunderts der Sklavenhandel beendet wurde, begann die Suche nach Rohstoffen für das in Europa angebrochene Zeitalter der Industrialisierung.

Dann kamen die Missionare und die Händler, anschließend die Soldaten, um europäische Handelsinteressen zu schützen.

Sie nahmen Länder und Boden in Besitz und begannen mit der Herrschaft über Eure Völker und Eure alte afrikanische Tradition.

Dies geschah hauptsächlich, um die Versorgung Europas mit wirtschaftlich lebenswichtigen Produkten zu gewährleisten.

Nach ihrer Unabhängigkeit wurden die afrikanischen Länder aus dem Ausland in die Verschuldung getrieben.

Auch Togo geriet in die Abhängigkeit vom Ausland und von den Preisen auf dem Weltmarkt.

Dadurch wurden breite Bevölkerungsschichten in die Armut getrieben.

Viele junge Menschen verlassen die afrikanischen Länder und versuchen ihr Glück in Europa.

Sehr viele Ärzte aus Togo haben sich in Paris niedergelassen, obwohl sie hier in ihrem Land gebraucht werden.

Im September 2002 fand ja in Togo eine internationale Veranstaltung junger Menschen statt, wie ich gelesen habe. Sie zeigten sich besorgt über die zerstörerischen Folgen der Globalisierung auf das Leben in Afrika.

Tatsächlich ist die neoliberale Art und Weise der Globalisierung ein neues Projekt des Kapitalismus, eine Ideologie. Niemand soll sich mehr der Globalisierung entziehen könne, so ist das Bestreben der Verfechter des Neoliberalismus.

Diese Ideologie der Welthandelsorganisation, der Weltbank und des Weltwährungsfonds (IWF) dient den reichen Industriestaaten des Nordens und des Westens dazu, Afrika immer mehr an die Peripherie zu drängen.

Damit komme ich zu meiner zweiten Fragestellung dieses Vortrages, nämlich zur Bedeutung und Zielrichtung der Globalisierung.

Was bedeutet eigentlich der Begriff der Globalisierung?

Die Globalisierung ist geprägt vom freien, ungehinderten Welthandel. Diesen hat es zwar immer gegeben, seitdem Menschen in andere Länder reisen.

Doch erstmals in der Menschheitsgeschichte haben die Ländergrenzen keine Bedeutung mehr.

Es gibt keine Hindernisse und demnächst fast keine Zölle mehr.

Damit gibt es auch keinen Interessenausgleich mehr beim Handel - und keinen Schutz für die benachteiligten Länder.

Zwar wurde mit dem freien Welthandel den Menschen auch in den ärmeren Ländern endlich mehr Wohlstand versprochen.

Doch mittlerweile ist das Gegenteil eingetreten.

Die Differenz zwischen arm und reich, zwischen Nord und Süd, wird wieder größer statt geringer.

Die amerikanische Ideologie des Freihandels ist schon lange widerlegt.

Die Globalisierung bedeutet die Marktöffnung für den ungezügelten Kapitalverkehr. Das führte zur Verfügungsgewalt des Auslandes über den Reichtum und die Wirtschaft der afrikanischen Länder.

Die Berichte der UNO belegen, das in vielen Ländern die Armut seitdem angestiegen ist, vor allem in den meisten Ländern Afrikas.

Trotz Entwicklungshilfe sind in der Statistik die afrikanischen Länder im Vergleich zu anderen Ländern in der Entwicklung zurückgefallen.

Aber längst beginnt auch in den reichen Industrieländern diese rückläufige Entwicklung.

Hatten bisher dort alle ein auskömmliches Leben in Wohlstand, beginnt nun immer schneller ein Auseinanderdriften zwischen arm und reich in den einzelnen Wohnquartieren der Städte.

Der Reichtum konzentriert sich auf nur einige Gewinner. Die Reichen werden immer reicher zu Lasten der Armen, deren Armut zunimmt.

Den wenigen Gewinnern stehen also viele Verlierer gegenüber, und am Ende wird die ganze Menschheit verlieren.

Denn die Globalisierung kennt keine Ethik und keine Humanität.

Ihre Anhänger glauben aber daran, das sie mit dem freien Handel einem guten Zweck verfolgen und dem Fortschritt der Menschheit dienen.

Doch Profiteure sind in Wirklichkeit allein die großen internationalen Konzerne. Die Verlierer sind die Bauern in den ländlichen Gebieten und die kleinen mittelständischen Unternehmen und Familienbetriebe.

Es findet auf der ganzen Welt eine Umverteilung von unten nach oben statt, von den Armen in die Taschen der Reichen und von den kleinen Unternehmen zu den großen Konzernen.

Der weltweit erreichte soziale Fortschritt, den die Gewerkschaften international erkämpft haben, wird in einen sozialen Rückschritt verwandelt.

Deshalb gibt es für unsere Gewerkschaften wieder sehr viel zu tun!

Erstmalig seit der Abschaffung des Sklavenhandels will die Welthandelsorganisation (WTO) die sozialen Errungenschaften der Geschichte zurückschrauben:

Sie will nämlich auch noch die Dienstleistungen zwischen den Menschen zur Handelsware machen, nach dem internationalen Handels- und Wettbewerbsrecht.

Es wird zur Zeit ein internationales Abkommen (GATS) ausgehandelt.

Danach soll der internationale Handel mit menschlichen Dienstleistungen und ihre Kommerzialisierung rechtlich erzwungen werden.

Das gilt auch für staatliche oder öffentliche Dienstleistungen, die bisher der Erfüllung der menschenrechte dienten, z.B. der freie Zugang zu Trinkwasser oder die medizinische Versorgung oder der Anspruch auf Bildung.

Bildung und Gesundheit sind aber keine Ware, sondern ein unverkäufliches Menschenrecht.

Alles will man nun weltweit dem Profitstreben unterwerfen:

  • das Gesundheitswesen und die Krankenhäuser,
  • die Kinderbetreuung und Altenversorgung,
  • das komplette Schulwesen und die Erwachsenenbildung sowie die Universitäten,
  • die Kultur mit Theatern, Kinos, Museen und Bibliotheken,
  • die Rechtspflege und die öffentlichen Sparkassen,
  • die Energie- und Wasserversorgung,
  • Tourismus und Verkehrswesen sowie Postdienste und Telekommunikation,
  • den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und das Fernsehen.

Sogar die öffentlichen Straßen und Plätze und die Naturparks sollen teilweise privatisiert werden. In Straßen und Wäldern muss man dann bald Eintritt oder Gebühren zahlen.

Vielleicht kommt noch einer auf die Idee, die Luft zum Atmen an die Menschen zu verkaufen!?

Die Gewerkschaften sollten sich den Privatisierungen widersetzen. Ihr wisst ja selber, dass z.B. die Privatisierung des afrikanische Kinos vieles zerstört hat von der afrikanischen Kultur des Geschichtenerzählens. Mit der Amerikanisierung der Filme ist das Gefühl für die eigene Realität verloren gegangen.

Die einzelnen Regierungen und Parteien in den Staaten sind gegenüber diesen Entwicklungen ohnmächtig.

Wirtschaftliche Macht ist längst zur politischen Macht geworden.

Die meisten Politiker in Europa und Amerika verstehen sich als Lobby der Wirtschaftsinteressen der großen Konzerne.

Die Politiker sind dort durch die großen Konzerne erpressbar geworden oder von ihnen abhängig.

Nicht mehr die Politik, die Regierungen und Parlamente bestimmen die Gesetze des Handelns im Rahmen demokratischer Mehrheiten.

Sondern die großen Konzerne möchten inzwischen die Rolle des Staates, der Parlamente und er Gerichte oder Justiz am liebsten selber übernehmen.

Die Abgrenzung zwischen Staat und Wirtschaft ist in Europa und Amerika nicht mehr erkennbar.

Die Verantwortung für die Menschen und ihre Versorgung nehmen dort weder der Staat noch die Wirtschaft wahr. Jeder muss dort für sich selber kämpfen um sein Überleben, ähnlich wie in Afrika.

Denn auch in Europa und Amerika werden inzwischen die Staaten und die öffentlichen Haushalte immer ärmer. Sie verlangen fast keine Steuern mehr von den Reichen und den Wirtschaftskonzernen. Sie verschenken das Geld an die Konzerne, das von den arbeitenden Menschen gemeinsam erwirtschaftet worden ist.

Die Politik in den meisten Staaten verzichtet darauf, der Wirtschaft die rechtlichen Rahmenbedingungen für ihr Handeln vorzugeben. Sie überlässt den großen Weltkonzernen auch die politische Macht und dient nur noch deren Interessen – nicht mehr den Interessen des Volkes und der Weltbürger.

Die Globalisierung mit der grenzenlosen Wirtschaft erkennt auch die staatlichen Territorien und Zuständigkeiten oder regionale Interessen nicht mehr an; sie setzt sich einfach darüber hinweg. Grenzen und Territorien haben keine Bedeutung mehr.

Die staatliche Politik in den meisten Ländern Europas hat nicht mehr das Ziel, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

Das Schicksal der Menschen ist ihnen egal, wenn nur ihre Wirtschaftskonzerne im internationalen Wettkampf erfolgreich bestehen können.

Sie glauben alles Ernstes, wenn die Wirtschaftskonzerne viele Profit machen, dann gehe es automatisch auch den Menschen in ihren Ländern gut.

Das Gegenteil ist aber der Fall.

Ein großer Verteilungskampf hat begonnen; ein versteckter Wirtschaftskrieg nach dem Motto: Jeder gegen jeden.

Man nennt es nur vornehmer: Wettbewerb und Konkurrenzkampf auf dem freien Weltmarkt.

Die kommerziellen Wirtschaftsinteressen werden zu einem Machtkampf über die staatlichen Grenzen und Zuständigkeiten hinweg - ein Wettlauf der Besessenen!

Damit ist der eigentliche Sinn und Zweck des Wirtschaftens aus dem Bewusstsein verdrängt. Das Geld wird zum Selbstzweck, nicht mehr als Mittel zum Zwecke gesunder Wirtschaftskreisläufe.

Doch Geld kann man bekanntlich nicht essen. Sondern das Geld muss in Projekte investiert werden, die den Menschen wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Nutzen und Fortschritt bringen.

Der Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg und Fortschritt ist jedoch bei der Globalisierungselite nicht mehr die Versorgung der Menschen mit Nahrung, Einkommen, Waren und Dienstleistungen, um ihre Lebensbedürfnisse zu sichern.

Sondern die Maßstäbe setzen inzwischen die internationalen Finanzmärkte mit ihren Börsenspekulationen.

Steigende Aktiengewinne sind zum alleinigen Hauptziel allen Wirtschaftens geworden.

Das macht einzelne Menschen reich und alle anderen arm

Der Einfluss der Gewerkschaften in den einzelnen Ländern wird dadurch immer schwächer, wenn sie sich nicht international vernetzen und verbünden.

Die Gewerkschaften müssen dieser Entwicklung entgegensteuern und für gerechte Verteilung der Reichtümer dieser Erde für alle Menschen sorgen.

Die Gewerkschaften in Europa konfrontieren ihre Staaten mit dem Zitat des alten Staatsrechtslehrers aus dem Altertum, des Hl. Augustinus. Der sagte schon vor 1600 Jahren – ich zitiere: „Ein Staat, dem es an sozialer Gerechtigkeit mangelt, was ist der anderes als eine große Räuberbande?“

Die Globalisierung in der grenzenlosen Welt wird also überall missbraucht, um allein den großen Konzernen, den Aktienbesitzern und den reichen Ländern und einzelnen Milliardären Vorteile und Nutzen zu bringen.

Amerika und Europa sind als Hauptverantwortliche zur Zeit dabei, wieder die gleichen Fehler zu machen wie in den vorigen Jahrhunderten.

Was bis zum 19. Jahrhundert der Sklavenhandel in Afrika war, wird im 21. Jahrhundert der weltweite moderne Sklavenhandel mit den Arbeitnehmern und Arbeitslosen sein, die über die Grenzen der Länder auswandern auf ihrer Suche nach Arbeit und Einkommen.

Die Globalisierung wirkt also zerstörerisch auf die Strukturen und Verhältnisse in den einzelnen Ländern, sowohl in Europa und anderswo, als auch in Afrika.

Unter den Bedingungen des freien Marktes erfolgte die Ausbeutung Afrikas durch ausländisches Kapital. Dahinter stehen große Monopole, die alles kontrollieren – auch die Rohstoffe in Afrika. Schon lange währt die Ausplünderung der Regionen durch dieses System.

Aber auch die Idee, dass die afrikanischen Viehzüchter mit dem europäischen Fleischhandel konkurrieren sollen, ist aussichtslos.

Im September 2002 fand ja in Togo eine internationale Veranstaltung junger Menschen statt, wie ich gelesen habe. Sie zeigten sich besorgt über die zerstörerischen Folgen der Globalisierung auf das Leben in Afrika.

Tatsächlich ist die neoliberale Art und Weise der Globalisierung ein neues Projekt des Kapitalismus, eine Ideologie.

Diese Ideologie der Welthandelsorganisation, der Weltbank und des Weltwährungsfonds dient den reichen Industriestaaten des Westens und Norden dazu, Afrika immer mehr an die Peripherie zu drängen. Afrika profitiert nicht von der Globalisierung.

Das wird von den Gewerkschaften auch in Europa stark kritisiert.

Denn auch in Deutschland und Europa werden immer mehr Menschen Opfer dieser neoliberalen Gestaltung der Globalisierung – eine elitäre Globalisierung von oben. Es findet auf der ganzen Welt eine Umverteilung von unten nach oben statt, von den Armen in die Taschen der Reichen.

Die Folgen und Probleme haben jetzt auch die Menschen in den bislang reichen Ländern dieser Welt zu spüren.

Sie sind Opfer ihrer eigenen Ideologie und Verhaltensweise. Was sie jahrelang den armen Ländern angetan haben, kommt nun selber auf sie negativ zurück.

Auch dort breitet sich nun immer mehr Armut mit großer Geschwindigkeit aus.

Immer mehr Menschen und Familien werden auch in den reichen Ländern wie Amerika oder Deutschland in die relative Armut getrieben; sie werden arbeitslos; die Löhne werden drastisch gekürzt; die sozialen Leistungen des Staates und der Unternehme gestrichen.

Der hohe Lebensstandard ist nicht mehr finanzierbar, weil von den Reichen und den Unternehmensgewinnen kaum noch Steuern erhoben werden.

Es wird trotzdem von den Unternehmen kaum noch Geld in Arbeitsplätze investiert, sondern statt dessen an den Börsen und Aktienmärkten damit spekuliert.

Die internationalen Finanzmärkte haben sich von den Wirtschaftsprozessen in den einzelnen Ländern gelöst und verselbständigt.

Das könnte in absehbarer Zeit zu einer großen weltweiten Wirtschaftskrise führen, wenn es zu einem Zusammenbruch der Börsen kommt.

Alles, was ich Euch jetzt schildere, ist die direkte und indirekte Folge der neoliberalen Globalisierung.

Und damit bin ich jetzt beim dritten Punkt meines Vortrages, nämlich bei der Frage: Was sind die Folgen und Auswirkungen der Globalisierung auf die reichen und die armen Staaten?

Ich beginne zunächst bei den ganz reichen Ländern:

Die öffentlichen Haushalte der reichen Vereinigten Staaten von Amerika sind mit 7,3 Billionen Dollar verschuldet. Der Wohlstand ist also dort finanziell auf wackligen Füßen aufgebaut.

Der deutsche Staat hat 1,3 Bio. € Schulden. Die Städte in Deutschland sind mit 100 Mrd. € verschuldet und faktisch insolvent / pleite.

Einige Stadtverwaltungen können ihren Beschäftigten kaum noch die Löhne und Gehälter zahlen. Sie nehmen dafür Kredite bei privaten Banken auf.

Der Staat und die öffentlichen Haushalte sowie die Bevölkerung werden also immer ärmer und verschuldeter.

Aber die privaten Vermögen und Reichtümer einiger weniger steigen immer höher. Die Zahl der Dollar-Milliardäre wächst täglich.

Dazu einige Zahlen: Der Chef der amerikanischen Computerfirma Microsoft, Bill Gates, hat ein Privatvermögen von fast 53 Mrd. Dollar. Er ist der reichste Mann der Welt.

Auf dem dritten Platz steht ein deutscher, ein großer Lebensmittelhändler, Karl Albrecht, mit 23 Mrd. Dollar.

Eine deutsche Frau hat einen Autokonzern geerbt und 8,1 Med. Dollar erhalten.

Weltweit gibt es 520 Dollar-Milliardäre. Die 225 reichsten Menschen auf der Welt besitzen mehr als 27% der Menschheit.

Das Vermögen der 3 reichsten Personen ist höher als die Wirtschaftskraft (Bruttosozialprodukt) der 48 ärmsten Länder.

Die zehn reichsten Menschen der Welt besitzen insgesamt 267 Mrd. Dollar, das ist fünfmal soviel als alle Industriestaaten der Erde an Entwicklungshilfe aufbringen.

Diese Ungerechtigkeiten sollten sich die Gewerkschaften zum Thema nehmen, um für gerechte Verteilung zu kämpfen.

Mit diesen privaten Geldern könnte man dem ganzen afrikanischen Kontinent eine positive Entwicklung verschaffen! Niemand brauchte mehr hungern.

Doch statt dem afrikanischen Kontinent zu helfen mit Hilfe zur Selbsthilfe, führt die ungerechte Verteilung des Reichtums nun auch die reichen Länder selber in die soziale Katastrophe

In manchen Städten im reichen Deutschland sind inzwischen 20% der Menschen ohne Arbeit und ohne Erwerbseinkommen.

Deutschland hat fast 7 Mio. Arbeitslose. Die Statistik wird manipuliert; deshalb spricht man offiziell nur von 5 Mio. Arbeitslosen.

Die staatliche Finanzhilfe für die arbeitslosen oder erwerbslosen Menschen wird drastisch gekürzt.

Der Wohlstand sinkt. Die Verlierer befinden sich in relativer Armut. Sie machen hohe Schulden oder werden obdachlos, d.h. sie müssen ihr Haus verkaufen oder verlieren ihre Wohnung.

Die sozialen Kassen für die Renten und für die Gesundheitsvorsorge in Deutschland wird nicht mehr von den Arbeitgebern mit finanziert. Der Staat gibt kaum noch Zuschüsse. Die Arbeitnehmer müssen alles alleine privat bezahlen. Damit sind sie finanziell überfordert.

Wer 40 Jahre lang immer gearbeitet hat, gut verdient hat und deshalb viel Geld in die Rentenkasse eingezahlt hat, erhält als Rentner oder Pensionär trotzdem nicht viel mehr Geld zum Leben wie jemand, der nie gearbeitet und nie eingezahlt hat. Das ist ungerecht.

Das deutsche Sozialsystem auf der Basis von Solidarität ist am Ende, trotz aller Proteste der Gewerkschaften und der Bevölkerung.

Der Staat und alle Parteien wollen den Einfluss der Gewerkschaften in Deutschland beenden.

Deutschland ist kein Vorbild mehr für Afrika.

Öffentliche Dienstleistungen werden eingeschränkt und öffentliche Einrichtungen geschlossen oder privatisiert.

Öffentliche Krankenhäuser werden an ausländische Konzerne verkauft.

Schulen und Rathäuser werden an amerikanische Konzerne vermietet.

Kindergärten und Bibliotheken müssen schließen.

Selbst das Goethe-Institut ist nicht mehr finanzierbar.

Viele Straßen können nicht mehr repariert werden.

Städtische Altenheime werden privatisiert und preiswerte Wohnungen für die städtischen Bürger an englische Konzerne verkauft.

Buslinien werden eingestellt.

Die Studenten an den Universitäten müssen demnächst hohe Studiengebühren zahlen.

Es können bald nur noch die Kinder reicher Leute studieren, nicht die Begabten, deren Förderung gestrichen wurde.

Die Versorgung mit Wasser und Strom wurde kommerzialisiert. Die Städte sind abhängig von internationalen Konzernen.

In den Stadtzentren schließen viele Läden und Restaurants, weil viele Menschen nicht mehr das Geld haben, um einzukaufen.

Alle sozialen Errungenschaften und Privilegien, wofür die Gewerkschaftsbewegung 100 Jahre lang gekämpft hat, werden in kürzester Zeit in Deutschland beseitigt.

Ähnliches passiert in anderen europäischen Ländern, wenn auch nicht so krass.

Der Sozialstaat und die Sozialdemokratie sind am Ende. Immer weniger Menschen nehmen an den politischen Wahlen teil. Viele Menschen treten aus den Parteien aus.

Aber auch die Gewerkschaften verlieren Mitglieder, weil sie kaum noch Erfolge haben. Die Arbeitszeiten wurden verlängert und die Löhne verringert. Sonderzahlungen zu Weihnachten oder für Urlaubsreisen wurden gestrichen.

Die Regierungen und alle Parteien, vom linken bis zum rechten Spektrum, vertreten die konforme Meinung:

Wegen der Globalisierung ist die soziale Orientierung ein Hindernis.

Der internationale Wettkampf der Konzern, der Konkurrenzkampf auf den Weltmärkten erfordere angeblich niedrige Arbeitslöhne und niedrige Sozialkosten.

Auch für die wirtschaftliche Entwicklungshilfe zugunsten der ärmeren Länder in der Welt z.B. in Afrika wird von Deutschland und Europa zur Zeit weniger als 0,25 Prozent vom Bruttosozialprodukt oder Staatshaushalt ausgegeben.

Afrikas Anteil am Welthandel hat sich in den letzten 50 Jahren kontinuierlich verringert von 7,4% auf 2,0%.

Ohne Nordafrika und Südafrika wären das sogar nur 0,8 %. Hier haben die Menschen auch das niedrigste Einkommen und die geringste Lebensqualität.

Die Wirtschaftskraft (Bruttosozialprodukt) beträgt in Afrika nur 340 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung; in Amerika dagegen über 28.000 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung.

Eine Gruppe deutscher Afrika-Wissenschaftler hat deshalb im Oktober des Jahres 2002 eine Neubegründung der Afrika-Politik gefordert.

Afrika darf nicht länger von den Weltmärkten abgekoppelt werden, wen es aus eigener Kraft eine nachhaltige Zukunft entwickeln soll.

Auch die Vereinten Nationen (UNO) sehen eine wichtige Rolle für Afrika in der Welt vor. Die UNO sieht in der Globalisierung eine große Chance und Herausforderung für Afrika.

Erhofft werden Impulse für die Wirtschaft und soziale Verbesserungen in Afrika.

Jedoch ein dafür dringend notwendiger Erlass der Schulden für die 187 armen Länder auf der Erde ist nicht in Sicht.

Die Schulden der armen Länder sind in den letzten 10 Jahren um 34% auf 2,5 Bio. Dollar angestiegen.

Eigentlich sollten sie um die Hälfte gesenkt werden, denn nur Teilen macht alle reich.

Die hohen Schulden sind die historische Schuld, die der Westen gegenüber Afrika hat.

Von den 53 afrikanischen Ländern gelten 40 als nicht mehr kreditwürdig nach den Kriterien des internationalen Währungsfonds (IWF).

Dafür mitverantwortlich ist der Generaldirektor des Weltwährungsfonds (IWF). Ausgerechnet diese Person ist jetzt in Deutschland für das Amt des deutschen Bundespräsidenten vorgeschlagen worden. Er ist Multimillionär und nicht Repräsentant des einfachen Volkes. Vor kurzem forderte er mit seinem IWF die Privatisierung aller öffentlichen Banken und Sparkassen.

In Afrika will der Präsident der afrikanischen Entwicklungsbank, der Marokkaner

Omar Kabbaj die Politik des internationalen Währungsfonds afrikanisieren. Das heißt, die afrikanischen Länder sollen nur noch dann Kredite erhalten, wenn sie die Kriterien des internationalen Währungsfonds akzeptieren. Diese sind aber zu ihrem Nachteil und nicht zum Vorteil.

Mit dieser Politik soll Druck auf die afrikanischen Staaten ausgeübt werden. Sie sollen sich selber gegenseitig kontrollieren.

Südafrika möchte eine Führungsrolle einnehmen bei dieser wirtschaftsfreundlichen Globalisierungspolitik.

Im Ergebnis ist Afrika von den großen Geschäften ausgeschlossen.

Mit ein paar Internet-Cafes in Dakár (Senegal) oder Lomé (Togo) ist noch nicht der Anschluss an die Globalisierung erreicht.

Während in Europa 41% der Bevölkerung ans Internet angeschlossen sind, so sind das in Afrika nur 0,5%.

Die Eigenheiten afrikanischer Kulturen werden bei dieser Technologie gar nicht berücksichtigt, die ohnehin für die Menschen nicht bezahlbar ist.

Der Wissenschaftler Douato Sadjede von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hier in Lomé fragte in einem Aufsatz zu recht: „Wieviel kann ein verschuldetes Afrika zahlen, das mit den Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu kämpfen hat, defizitäre Betriebe zu schließen und Löhne und Sozialausgaben zu senken?“

Afrika ist also von den großen Geschäften der Globalisierung ausgeschlossen.

In dem berühmten Lomé-Abkommen, das vor einem Vierteljahrhundert abgeschlossen worden war, ging es ja um gerechten Handel zwischen der europäischen Gemeinschaft und den Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks.

Im Sommer des Jahres 2002 haben diese 77 früheren Kolonien das Cotonou-Abkommen abgeschlossen, welches das Lomé-Abkommen ablöst. Dieses neue Abkommen der europäischen Union soll Afrika auf die Ziele der Welthandelsorganisation verpflichten, die Märkte und Handelsbeziehungen zu liberalisieren für die Globalisierung.

Das wird Afrika in den Ruin führen.

Die Gewerkschaften in Afrika sollten überlegen, was sie dagegen unternehmen.

Inzwischen haben ja Diskussionen über eine Revision dieser Vereinbarung stattgefunden.

Längst hat Afrika durch den Preisverfall für seine Rohstoffe verloren.

Die Öffnung und Liberalisierung der Märkte in Afrika hat keine Vorteile für Afrika in der Weltwirtschaft gebracht. Auch fehlt es an der nötigen Infrastruktur.

Zwar haben einige Länder eine positive Statistik des Wirtschaftswachstums, wie z.B. Ghana, Uganda oder Mosambik. Doch die Zahlen auf dem Papier haben nicht die tatsächliche Situation der Menschen in den Dörfern und Städten verbessert.

Äquatorial-Guinea hat sogar 13% Wirtschaftswachstum durch seine Erdölreserven; aber die Bevölkerung ist so arm wie vorher. Die Profiteure sind die internationalen Konzerne, deren Profite in die Industrieländer gebracht werden.

Im Kongo hat der große Reichtum zu Kriegen, Not und Armut geführt.

Die Verlierer des freien Welthandels finden sich aber nicht nur in Afrika, sondern in allen Ländern der Welt. Es sind die abhängigen Menschen, die Arbeiter, die kleinen Betriebe und Bauern. Es sind sogar bisher reiche Länder Europas auf dem Weg der Verlierer, wie ich geschildert habe.

Was können nun die Gewerkschaften international tun, um eine soziale Globalisierung mit menschlichem Antlitz zu erreichen, so lautet die 4. Frage meines Vortrages.

An dem Tag, an dem ich mit meiner Frau und unserer Reisegruppe über Paris hier nach

Lomè geflogen bin, am 3. April, waren überall große Demonstrationen der Gewerkschaften und anderer Organisationen.

In den großen Städten aller Länder in Europa und in Deutschland waren Hunderttausende Menschen auf den Straßen, Millionen insgesamt.

Sie demonstrierten für soziale Gerechtigkeit und gegen diese Art von Globalisierung.

Es war eine Demonstration der Globalisierungsverlierer gegen die Globalisierungsgewinner.

Und es war erst der Anfang einer weltweiten Bewegung für eine bessere Welt.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan aus Ghana in Afrika, äußerte sich zu diesen Entwicklungen der Globalisierung folgendermaßen – ich zitiere:

„ Die wirklichen Grenzen unserer Zeit verlaufen nicht mehr zwischen Staaten oder Kontinenten, sondern zwischen den Mächtigen und Machtlosen, den Freien und Geknechteten, den Privilegierten und den Gedemütigten.“

Deshalb hat die von mir geschilderte Entwicklung in Deutschland und Europa schwerwiegende Folgen nicht nur für die dort lebenden Menschen, sondern auch für die Menschen hier in Afrika.

Denn wenn es den Menschen in Deutschland und Europa schlechter geht, dann geht es auch den Menschen in Afrika nicht besser.

Die internationalen Finanzhilfen für die Länder Afrikas sind um 25% bis zu 50% zurückgegangen.

40% aller Familien in den Städten Afrikas leben in Armut.

Der Wohlstand der reichen Länder war mit dem Hunger der armen Länder erkauft worden.

Weltweit sind 815 Mio. Menschen unterernährt.

Jeden Tag sterben 100.00 Menschen auf der Welt an Hunger und seinen Folgen, das sind 36

Mio. Menschen jedes Jahr.

Alle 7 Sekunden stirbt ein Kind auf der Welt an Hunger oder den Gesundheitsfolgen.

Allein in Afrika sterben über 4 Mio. Kinder jährlich, jeden Tag 10.000 noch vor ihrem 5. Geburtstag, vor allem an Hunger, aber auch an Krankheit und als Opfer von Krieg und Gewalt.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt wegen des Nahrungsmangels in Afrika um 20 Jahre niedriger als anderswo.

Jeden Tag sterben in Afrika 6.600 Menschen an der AIDS-Krankheit.

300 Mio. Menschen auf der Erde erkranken an den schlechten hygienischen Verhältnissen.

Fast 2 Mrd. Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Jährlich sterben über 2 Mio. Menschen an den Folgen verschmutzten Wassers.

100 Millionen Menschen leben in Slums und Elendsvierteln.

Eine Milliarde Menschen müssen mit nur 1 Dollar pro Tag auskommen.

113 Mio. Kinder bekommen gar keine Schulausbildung.

Von den 4,3 Mio. Menschen in Togo sind 48% Analphabeten.

Der freie Welthandel in Form der neoliberalen Globalisierung wirkt wie ein Wirtschaftskrieg: Jeder gegen jeden, mit vielen Todesopfern auf der südlichen Hälfte der Erde.

850 Mrd. Dollar werden weltweit für Krieg und Rüstung ausgegeben.

Die Finanzhilfen für die armen Entwicklungsländer sind dagegen auf 53 Mrd. Dollar zurückgegangen.

Darum müssen die Menschen und ihre Gewerkschaften über alle Grenzen hinweg gemeinsam für Solidarität und soziale Gerechtigkeit eintreten, überall in der Welt.

Die Globalisierung sprengt alle Grenzen.

Wir müssen gemeinsam eine Welt in Solidarität und Frieden erbauen.

Nur dann kann sich der Pessimismus bezüglich der Globalisierung in Optimismus für die Zukunft verwandeln.

Denn die Menschenrechte und die Menschenwürde sind für alle Menschen auf der Erde gleich.

Was ich gerade geschildert habe, war die negative Kehrseite der Globalisierung, die ja eigentlich zum positiven Nutzen der gesamten Menschheit sein sollte.

Neulich sagte jemand: „Der Begriff der Globalisierung ist nur erfunden worden, um den Menschen das Denken auszutreiben.“

Viele Menschen sind gleichgültig und inaktiv. Sie fühlen sich ohnmächtig gegenüber der Globalisierung.

Sie ergeben sich in ihr Schicksal und in ihre Armut. Sie haben verlernt zu kämpfen und aufgegeben, zu handeln.

Doch Ihr erinnert Euch sicher an den 15. Februar 2003: An einem einzigen Tag waren zur gleichen Zeit 18 Mio. Menschen in 660 Städten der Erde zu einer weltweiten Protestbewegung gegen den Irak-Krieg der Amerikaner demonstrierend auf die Straße gegangen.

Die Gewerkschaften müssen es international schaffen, zusammen mit anderen Organisationen eine soziale Bewegung in gleicher Größenordung auf die Beine zu stellen, die sich solidarisch für eine soziale Zukunft aller Menschen auf dieser Erde einsetzt!

Es gibt inzwischen bereits eine große, internationale, weltweite soziale Bewegung der Globalisierungskritiker, bei der die europäischen Gewerkschaften mitwirken – aber auch viele Gruppen der Zivilgesellschaft, die Nichtregierungsorganisationen.

Sie veranstalten alljährlich gemeinsam ein großes Weltsozialforum, zweimal bereits in Brasilien, in der Stadt Porto Allegre mit 100.000 Teilnehmern, im letzten Jahr in Indien, in der Stadt Mumbai.

In Europa findet zum gleichen Thema der Globalisierung alljährlich ein Europäisches Sozialforum statt, zuerst in der Stadt Florenz in Italien, letztes Jahr in Frankreich, in der Hauptstadt Paris, wieder mit 100.000 Teilnehmern.

Und in Deutschland finden regionale Sozialforen statt, die sich kritisch mit den negativen Entwicklungen der Globalisierung auseinandersetzen. Zugleich diskutieren sie positive Alternativen für eine menschenwürdige Zukunft.

In der deutschen Hauptstadt Berlin findet im Mai dieses Jahres ein großer Kongress statt, der sich mit den sozialen Perspektiven im Zeitalter der Globalisierung auseinandersetzt. Dort werde ich auf dem Podium teilnehmen.

Denn von der Globalisierung sind alle Menschen betroffen, in Europa ebenso wie in Afrika, in Asien, in Amerika oder Australien.

Afrika war ja immer schon durch die weltweiten Wirtschaftsbeziehungen in die Zusammenhänge der Globalisierung eingebunden, in die früheren Handelsbeziehungen. Eigentlich begann die Globalisierung in Afrika, bevor es dieses Wort als neuen Begriff gab.

Wir alle sind Menschen dieser einen Welt, die als Lebensgemeinschaft voneinander abhängig sind. Wir alle sind aufeinander angewiesen. Die Menschheit hat ein gemeinsames Schicksal.

Solange noch irgendwo auf der Welt ein Mensch Armut und Hunger erleidet, solange können wir in Europa nicht glücklich sein.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte auf ein menschenwürdiges Leben und auf eine bessere Zukunft.

Die Ressourcen dieser Erde gehören allen Menschen und sind deshalb miteinander gerecht zu teilen.

Gerade Afrika hat ja mehr Ressourcen an die Industriestaaten abgegeben statt selber zu behalten. Sonst wäre Afrika sehr reich.

Was gemeinsam erarbeitet worden ist, darf nicht nur einigen wenigen gehören.

Die internationale Gewerkschaftsbewegung kämpft seit über 100 Jahren für diese Menschenrechte.

Sie kämpft für menschenwürdige Arbeitsverhältnisse ohne Sklaventum.

Sie kämpft für ein menschenwürdiges Leben und für ein hinreichendes Einkommen, von dem die Familien ernährt werden können.

Leider sieht die Wirklichkeit inzwischen anders aus, wie ich in meinem Vortrag heute verdeutlicht habe.

Afrika braucht aber eine Vision und Hoffnung für die Zukunft in Zeiten der Globalisierung.

Deshalb komme ich zu der letzten und wichtigsten Fragestellung meines Vortrages: Worin bestehen die Chancen und Perspektiven Afrikas?

Wie können die Gewerkschaften für praktische Zukunftsprojekte eintreten?

Erlaubt mir zunächst einige Feststellungen und Beobachtungen:

Afrika ist in mancher Hinsicht viel reicher als Europa oder Amerika.

Es ist in der Lage zu einem Neuanfang statt zu einem Niedergang.

Worin besteht der Reichtum Afrikas aus der Sicht eines europäischen Gewerkschafters?

Der Reichtum Afrikas sind vor allem seine Menschen!

Zu diesem Reichtum gehören auch die Kinder und die Familienstrukturen, die Dorfgemeinschaften. Aber auch die bunten Märkte in den Städten.

Eine neue Vision für Afrika entsteht dadurch, dass die Menschen in Afrika ihre Seele wiederentdecken.

Die Spiritualität der afrikanischen Menschen ist eine Grundlage für ein gerechtes, friedvolles und ökologisch zukunftsfähiges Gemeinschaftsleben.

Der Reichtum Afrikas sind aber seine Kultur und seine Natur, seine Sonne - und seine Anziehungskraft für reisende Touristen.

Aber auch seine Rohstoffe und Bodenschätze.

Zum Reichtum Afrikas gehören das vielfältige Kleingewerbe in den Städten und die landwirtschaftlichen Flächen in den Dörfern.

Die Kleinindustrien und die Bauern Afrikas sind nicht zu vernachlässigen.

Afrika braucht Nahrungssicherheit und eine lebensfähige Industrie.

Die Fähigkeiten der Afrikaner sind es, zu improvisieren und sich selber zu organisieren und eigene Strukturen zu schaffen.

Dem Zusammenbruch der Kaufkraft der Togolesen ist entgegenzuwirken.

Die Menschen in Afrika sollten sich wehren gegen die Zerstörung ländlicher Kulturen und Praktiken. Sie sollten eigene Vorstellungen und lebensfähige Alternativen realisieren.

Die afrikanische Gesellschaft ist in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens moderner als die europäische Gesellschaft!

Die Selbstentdeckung und Wiedergewinnung der Selbstachtung der Afrikaner und Afrikanerinnen ist eine wichtige Voraussetzung für einen Aufbruch in die Zukunft.

Die Afrikaner sollten die Menschenrechte und Menschenwürde pflegen, statt von den Europäern nachzumachen, was diese mit Unterdrückung und Habgier durch Erniedrigung vorgemacht haben.

Afrika ist kein verlorener Kontinent im Herzen der Finsternis, sondern ein Kontinent des Lichtes und der Wärme. Diese Wärme lässt die soziale Kälte in Europa und Amerika schmelzen!

Insbesondere dann, wenn sich die jungen Menschen am sozialen und wirtschaftlichen Aufbau ihres Landes beteiligen!

Die Jugendlichen dürfen das Land nicht verlassen, sondern müssen seine Zukunft gestalten nach ihren eigenen Vorstellungen.

Aber auch die starken Frauen Afrikas spielen eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der Gemeinschaften.

Es ist wichtig, afrikanische Wirtschaftsflüchtlinge nach Europa einzudämmen und zurückzuholen, denn sie schwächen Afrika und werden hier gebraucht.

Das Glück der Afrikaner liegt nicht in der Auswanderung nach Deutschland, Europa oder Amerika, sondern in ihrem eigenen Land.

Die Chancen Afrikas liegen in der Stärkung der lokalen und regionalen Strukturen und Kulturen – gegen die nivellierende Gleichmacherei durch die Globalisierung.

Die Regionalisierung ist die kollektive Stärke Afrikas!

Regionale Konzepte sind wichtiger als die Verstädterung, als der problembeladne Ausbau großer Städte in Afrika. Die Städte sollten von Müll und Abfall befreit werden.

Für die Dörfer müssen eigene Existenzgrundlagen geschaffen werden.

Die Attraktivität und Vorteile Afrikas liegen in den lokalen und nationalen Eigenheiten.

Das sind die afrikanischen Trümpfe im Globalisierungswettbewerb!

Die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen sind wichtiger als große Megaprojekte der Entwicklungshilfe von außen.

Afrika und insbesondere Togo sollte seine politischen Konzepte nicht im Ausland entwerfen lassen, sondern durch die eigenen Menschen in der Zivilgesellschaft selber.

Afrika braucht eigene Anstrengungen, statt im Ausland denken zu lassen.

Das wichtigste ist es, die Bildung zu verbessern!

Die Menschen in Afrika sollten die Bildung selber aufbauen, und nicht die Bildung teuer importieren.

Bildung ist nicht nur für die Reichen, sondern muss kostenlos sein!

Es sollten in Afrika Netzwerke innerhalb der einzelnen Länder und zwischen ihnen gebildet werden. Es sollte die Kooperation mit anderen Staaten bei der Infrastruktur und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit verstärkt werden.

Ein Friedensprozess, ein Versöhnungsprozess und ein Demokratisierungsprozess ist auf dem afrikanischen Kontinent anzustreben.

Insbesondere die positiven Versuche der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit der westafrikanischen Staaten können noch weiter verbessert werden.

Dann liegt die Zukunft Afrikas in Frieden und Gerechtigkeit sowie wirtschaftlichem Fortschritt.

Es muss daran gearbeitet werden, die institutionalisierte Korruption und Bestechung aus dem Alltagsleben zu verbannen, weil es Ethik und Moral untergräbt.

Es sollten die Relikte postkolonialer Strukturen beseitigt werden.

Dann kann dies auch die Rückerstattung dessen bewirken, was Afrika jahrelang von den Europäern entrissen worden ist.

Der Druck der Basis und der Nichtregierungsorganisationen ist mit Unterstützung der Gewerkschaften nötig und möglich.

Die Wirtschaft Afrikas muss sich auf die Bedürfnisse der Menschen ausrichten – und nicht auf die Interessen der Exporteure des afrikanischen Reichtums.

Die lokale und regionale Wirtschaft muss gestärkt werden.

Die Abhängigkeit Afrikas von nur wenigen Agrarprodukten muss verringert werden, indem die Produktpalette in der Landwirtschaft erweitert wird.

Afrika sollte nicht länger unverarbeitete Rohstoffe verkaufen, um dann die im Ausland verarbeiten Produkte teuer rückzukaufen – sondern selber weiterverarbeiten!

Die Zukunft Afrikas liegt also nicht in der Ausfuhr von Rohstoffen, sondern in der Verarbeitung dieser Rohstoffe - und in ihrem Absatz auf den regionalen Märkten im eigenen Land oder Nachbarland.

Dadurch erhält Afrika positiven Anschluss an die Globalisierung.

Afrika produziert bislang hauptsächlich solche Waren, die es nicht konsumiert, und konsumiert hauptsächlich solche Waren, die es nicht produziert.

Dies führt zur verhängnisvollen Abhängigkeit vom Ausland und zur Verarmung der Bevölkerung, die hohe Weltmarktpreise zahlen müssen.

Es dürfen nicht andere Länder die politische und wirtschaftliche Kontrolle über Afrika ausüben. Afrika muss sich aus neokolonialer und ökonomischer Abhängigkeit befreien!

Die Gewerkschaften müssen für die bedingungslose Streichung der Schulden für die afrikanischen Länder eintreten, damit die armen Länder und ihre Menschen nicht noch ärmer werden.

Wir müssen als Gewerkschafter gemeinsam und international die neoliberale Ideologie ablehnen, und zwar mit aller Macht und mit vereinten Kräften!

Der globale Kampf wird durch lokale und regionale Kreativität entschieden.

Ich schließe meinen Vortrag mit einer Prognose:

Afrika wird nicht untergehen im Globalisierungswettkampf, wenn sich Afrika aus der Zwangsjacke der Globalisierung befreit!

Für Millionen Afrikaner ist der Ausstieg aus dem globalen Marktgeschehen längst Alltagsrealität. Sie überleben viel besser in ihren lokalen und regionalen Märkten und Strukturen.

Aber Afrika sollte sich dabei nicht ganz zurückziehen von der globalisierten Welt, sondern der Welt Neues geben!

Dann wird Afrika von der ganzen Welt geliebt und gefördert.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.